Der Mensch - ein Tragling

In der Biologie ist es üblich die Jungtiere in verschiedene Kategorien einzuteilen.

Allgemein bekannt ist die Unterteilung in Nesthocker und Nestflüchter.

 

Typische Merkmale von Nestflüchtern:

 

- sie kommen sehr weit entwickelt auf die Welt

- sie verlassen unmittelbar nach der Geburt das Nest bzw. den Ort der Geburt.

- sie sind sehr schnell relativ selbstständig.

 

Zu den Nestflüchtern gehören z.B. die Herdentiere (Kühe, Pferde, Ziegen, Elefanten) aber auch Hühner und Gänse. Die Jungen stehen nur Minuten nach der Geburt bzw. dem Schlupf auf den eigenen Beinen und folgen aktiv ihren Artgenossen.

 

Neugeborenes Fohlen
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Auf menschliche Säuglinge trifft dies ganz klar nicht zu.

Sind Säuglinge also Nesthocker?

 

Typische Merknmale von Nesthockern sind:

 

- kommen relativ unentwickelt (blind, taub, oft haarlos) zur Welt

- bleiben wochenlang an den Ort der Geburt gebunden

- zeigen eine Tragestarre wenn die Mutter sie herumträgt

- entleeren ihren Darm nur nach Stimulation (Lecken der Mutter)

 

Zu dieser Kategorie gehören z.B. Raubtiere und Raubvögel (Katzen Wölfe, Eulen), die ihre Jungen im Nest versorgen bis diese meist erst nach Wochen oder Monaten das Nest verlassen können und nach und nach lernen selbstständig zu sein.

 

Neugeborene Maus, nackt, blind, taub
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Man ordnete Säuglinge lange den Nesthockern ("sekundärer Nesthocker") zu, doch viele typische Merkmal der Nesthocker fehlen, den Babys kommen mit offenen Augen und Gehörgänge auf die Welt, zeigen keine Tragestarre und machen auch ohne Bauchmassage in die Windel.

Das Nesthocker-Stadium mit geschlossenen Lidern und Gehörgängen und fehlender Körperbehaarung lässt der Mensch bereits im 5. Schwangerschaftsmonat hinter sich.

 

Vor einigen Jahrzehnten hat die Biologie, allen voran Bernhard Hassenstein, den Begriff des Traglings geprägt, zu dem all jene Jungtiere gezählt werden, die sich weder als Nesthocker noch als Nestflüchter einordenen lassen.

 

Traglinge

- können bei der Geburt hören und (auf begrenzte Entfernung) scharf sehen

- beruhigen sich bei Bewegung

- zeigen eine Greif- und Klammerreaktion

- zeigen eine "Körperkontaktverlustangst" wenn sie abgelegt werden

- nehmen bevorzugte eine Haltung ein, in der sie an den Körper des Elterntieres passen.

 

Ja, unsere Babys sind ganz eindeutig Traglinge, so wie auch die Jungtiere unserer nächsten Verwandten, der Menschenaffen, aber auch der Fledermäuse und Beuteltieren (Koala, Känguruh).

 

Gorillajunges auf dem Rücken der Mutter
www.wdr.de
Känguru mit Jungem im Beutel
www.planet-wissen.de

 

Ein Neugeborenes sieht bei der Geburt etwa auf 25-30 cm scharf, das ist die Entfernung, die das Gesicht eines Erwachsenen hat, der es auf dem Arm hält. Schon ganz früh ahmen die Kleinen die Mimik der Erwachsenen nach, können Gesichter von anderen Bildern unterscheiden und erkennen die Mutter und andere nahestehende Personen.

Wenn ein Baby weint, nehmen wir es hoch, schaukeln es und tragen es umher. Oder wir nutzen eine Wiege oder Schaukel.

Bewegung beruhigt Babys, den Bewegung ist ein Zeichen von der Gegenwart eines Erwachsenen.

Streichen wir die Handinnenfläche eines kleinen Babys wird es mit erstaunlicher Kraft unseren Finger umgreifen. Neugeborene zeigen diesen Greifreflex sogar noch an den Füßen. Dies ist ein Relikt aus der Zeit, als sich die Jungen unserer Vorfahren aktiv im Fell der Mutter festgeklammert haben.

Liegt ein Baby auf dem Rücken oder wird aus der Rückenlage hochgenommen, dann spreizt es die Beinchen und winkelt sie an und passt so ganz genau auf die Hüfte , auf den Rücken oder vor den Bauch eines Erwachsenen.

Das Fell zum Festklammern haben wir im Laufe der der Evolution verloren. Daher müssen wir uns mit heute behelfen, indem wir unsere Kleinen mit den Armen halten oder - was auf Dauer deutlich bequemer ist- eine Tragehilfe verwenden.

www.jeportemonbebe.fr
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www.familie.de
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