Pimp your Manduca

Die Manduca spielt in meinem Beratungsalltag eine große Rolle. Viele Eltern, die zu mir kommen besitzen sie bereits, nicht zuletzt, weil sie seit vielen Jahren zu den bekanntesten Tragehilfen auf dem Markt gehört und in Familien weiter gegeben oder weiter empfohlen wird. Für einige Eltern ist sie bereits DAS Synonym für Babytrage und steht ganz selbstverständlich auf der Anschaffungsliste für das Baby.

Diese Entwicklung ist erfreulich, die Manduca hat  durch Ihre Bekanntheit, ihre gute Verfügbarkeit und ihr abwechslungsreiches Design dazu beigetragen, dass das Tragen wieder salonfähig wird.

 

Die Manduca musste aber auch einiges an Kritik einstecken, auch von Seiten der Trageberaterinnen.

Zur Zeit ist es ein Phänomen in vielen Müttergruppen auf Facebook und in Elternforen, dass von der Manduca abgeraten wird, sie sprichwörtlich in der Luft zerissen wird.

Doch ist dies angebracht? Ist sie wirklich so schlecht? Ist sie die neue "Gruseltrage"?


Vorwurf 1:

Die Manduca ist nicht aus Tragetuchstoff

 

Das stimmt. Die Manduca ist aus einem Canvasgewebe aus Biobaumwolle (Sondermodelle) oder einem Baumwoll-Hanf-Gemisch (Standardmodelle) gefertigt. Aber ist dies ein Nachteil? Es wird oft kritisiert, das Material der Manduca wäre nicht diagonalelastisch, so wie es Tragetuchstoff ist.

Dem ist nicht so! Auch Canvas ist wie der bei Tragetüchern verbreitete Kreuzköper, Diamdköper oder Jacquard eine Webware und besitzt daher die für Babytragen gewünschte Diagonalelastizität. Abnäher und Einsätze an verschiedenen Stellen verbessern die Passform zusätzlich.

Petra Schachtner, die Erfinderin der Manduca hat einen informativen Blogeintrag zum Thema Tragetuchstoff geschrieben.

Neben der Webart zeichnet auch die Wahl des Garnes einen guten Tragehilfenstoff aus. Die Manduca wird wie oben bereits erwähnt, soweit möglich, aus natürlichen Materialien gefertigt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten wird auf den Einsatz synthetischer Garne verzichtet.

Vorwurf 2:

Die Befestigung der Träger am Rückenteil drückt Babys Rücken platt


Die Wirbelsäule von Babys, die sich noch nicht selbstständig aufsetzten können ist noch leicht gerundet, hat die Form eines flachen Cs. Eine gute Babytrage kommt dem entgegen und ermöglicht dem Baby (und auch dem schlafenden Kleinkind), den Rücken zu runden.

Tatsächlich können Schulterträger, die seitlich am Rückenpaneel befestigt sind einen ungünstigen Zug auf Babys Rücken ausüben und das Baby zu früh in eine gerade Haltung zwingen. Doch ist dies bei der Manduca der Fall?

Die Manduca besitzt am Rückenteil Einsätze, die von der Befestigung der Schulterträger bis zum Hüftgurt reichen und dazu dienen, den Zug der Schulterträger Richtung Hüftgurt abzuleiten. In der Mitte des Rückenteils kommt daher wenig Zug an.

Außerdem sitzen kleinere Babys höher in der Manduca, sei es, weil der Neugeboreneneinsatz verwendet wird oder weil der Steg abgebunden ist. Die Befestigungspunkte sitzen dann nicht in Rückenhöhe, sondern in Höhe der Hüfte. (s.Abb) Wird dann noch darauf geachtet, dass das Baby schön angehockt wird, kann es auch in der Manduca den Rücken runden.

Und Manduca hat auf die Vorwürfe reagiert und bietet den Kunden künftig die Möglichkeit durch ein kleines Add-On den Sitz des Babys noch zu verbessern, egal ob die Trage neu angeschafft wird oder bereits viele Jahre in Gebrauch ist.

Der ZipIn-Ellipse wird in die Rückenverlängerung mit Reißverschluss eingezipt und bewirkt durch seine Form eine noch bessere Rundung des Rückens.

Die Anwendung ist denkbar einfach und die Wirkung riesengroß.

Ist das Baby größer und schwerer merkt man den Vorteil der seitlichen Befestigung der Schultergurte: Das Gewicht des Tragling wird so optimal auf Schultern und Hüfte verteilt. Eine Befestigung am Hüftgurt führt hingegen zu einer eher schulterlastigen Gewichtsverteilung. Daher haben auch die meisten Tragen mit Befestigung der Schultergurte am Hüftgurt die Option sie ebenfalls am Rückentei zu befestigen.


Vorwurf 3:

Die Manduca passt nur kurze Zeit

 

Viele gute Tragehilfen, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen besitzen die Möglichkeit die Stegbreite an die Größe des Traglings anzupassen, sei es durch Klettverschlusssysteme, Zugbänder oder Klappen.

Im Idealfall wächst die Trage so über einen langen Zeitraum stufenlos mit, reicht immer von Kniekehle zu Kniekehle des Traglings.

Die Manduca besitzt ab Werk nur zwei Stegbreiten: Die des Neugeboreneneinsatzes und die des eigentlichen Steges. Da der Steg um mehrere Zentimeter breiter ist als der Neugeboreneneinsatz, ist er vielen Babys noch zu groß, wenn sie aus dem Einsatz rausgewachsen sind.

Daher gibt es seit dem letzten Jahr den Manduca Size-it. Mit diesem Zubehörteil kann der Steg der Manduca auf die gewünschte Größe abgebunden werden, stufenlos. Er sollte bereits genutzt werden, wenn das Baby noch im Neugeboreneneinsatz sitzt, so dass von Anfang an die Füßchen außerhalb der Trage sind. Manduca hat damit darauf reagiert, das Trageberaterinnen seit vielen Jahren, eigentlich seit der Einführung der Manduca, dazu raten, den Steg abzubinden, bis er passt.

Und wenn der Steg nicht mehr in die Kniekehlen reicht, muss man dann auf eine größere Trage umsteigen?

Wenn noch immer sehr viel getragen wird und ein Ende der Tragzeit noch laaaaange nicht absehbar ist, dann kann es sich lohnen eine Toddlersize-Tragehilfe anzuschaffen.

Doch wenn der Tragling immer mehr zum Laufling wird, das Ende der Tragezeit absehbar ist scheuen viele vor einer Neuanschaffung zurück.

Da ist es gut zu wissen, dass eine Manduca, oder eine andere Tragehilfe, noch nicht zu klein ist, wenn der Steg nicht mehr bis in die Kniekehlen reicht, solange die Oberschenkel noch nicht nach unten orientiert sind. Das ist oft auch noch der Fall, wenn der Steg einige Zentimeter vor den Kniekehlen endet.

Erst wenn die Beine beginnen herab zu hängen, kann es für den Tragling unbequem werden. Dann kann eine Anschaffung einer Toddler-Tragehilfe sinnvoll sein.


UPDATE: Ab Juli 2015 ist der Manduca ExTend erhältlich. Damit kann zweistufig der Steg der Manuca bis auf 50 cm Breite erweitert werden, damit diese noch länger bequem passt. Einsetzbar ist er ab ca. 18 Monate bis zum Ende der Tragezeit.

Ihr seht also: Von veraltet kann gar keine Rede sein, denn durch die seperat erhältlichen Accessoires kann jede Manduca, ob alt, ob neu, den modernen Ansprüchen genügen.

Niemand, der die Manduca nutzt oder genutzt hat, hat irgendeinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Das eine nicht 100%ig passgenaue Tragehilfe bleibende Schäden an Babys Rücken oder Hüfte verursacht, wird zwar oft behauptet, konnte aber noch nie nachgewiesen werden.

Ganz im Gegenteil: Die Studien, die von den Vorteilen des Tragens berichten und die gerne zur Argumentation herangezogen werden, wurden nicht selten mit suboptimalen, nach heutigen Ansprüchen völlig veralteten Tragehilfen oder mit nicht wirklich gut gebundenen Tüchern gemacht. Trotzdem waren die Vorteile in den meisten Fällen deutlich.

Seht ihr eine Mutter oder einen Vater mit zufriedenem Baby in der Manduca, dann freut euch mit ihnen! Sei es im Internet oder im echten Leben.

Wenn ihr und euer Tragling euch mit einer Tragehilfe wohl fühlt, dann ist es die Richtige für euch, auch wenn ihr vielleicht schon einmal das ein oder andere abfällige Kommentar darüber gelesen oder gehört habt.

Vieles relativiert sich bei näherer Betrachtung.

 

Wenn ihr den Size-It oder das Ellipsen Zip-In mit eurer Manduca ausprobieren möchtet, meldet euch bei mir oder einer meiner Kolleginnen.

 


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Kommentare: 7
  • #1

    Pingel Rietz (Donnerstag, 30 Oktober 2014 00:15)

    Ein ganz großes Dankeschön für diesen tollen Artikel.
    Den möcht ich in Zukunft oft verlinkt sehen, in den ganzen Tragenforen bei FB. ;)

    Eine Ergänzung noch: Ein weiterer Grund, warum die Manduca den Rücken nicht platt drückt ist auch der, dass die Träger angeschrägt und nicht rechtwinklig ans Paneel genäht sind.
    So wird der Zug genau im richtigen Winkel auf diese halbrunden Abnäher abgeleitet.

    Lieben Dank von einer Kollegin. :)

  • #2

    Pe Schi (Samstag, 01 November 2014 12:55)

    Herzlichen Dank, Kathrin! Ich kann mich meiner "Vorschreiberin" nur voll und ganz anschließen. Daumen hoch !! :D

  • #3

    Arlette (Sonntag, 02 November 2014 09:56)

    Danke für diesen Post. Ich möchte ihn in diversen Tragegruppen im Gesichterbuch am liebsten zur Pflichtlektüre werden lassen. Sehr gut geschrieben, und so wahr.
    Ich wünsche dir viele, viele Leser. Und werde deinen Beitrag teilen, wo immer es passt.

    Lieben Gruß

  • #4

    Friederike Simon (Mittwoch, 10 Dezember 2014 21:09)

    Vielen Dank für den Artikel, das heißt , dass ich meine Manduca mit den Zusatzartikeln fit für ein Neugeborenes machen kann ? Hoffe nur , dass ich das hinbekomme! Wäre natürlich super, wenn ich nicht noch eine Trage kaufen müsste.
    Lg Friederike

  • #5

    Linfue (Mittwoch, 15 Juli 2015 06:25)

    Ich verstehe das mit den Trägern nicht: bei allen Tragehilfen sind doch die Träger am Rücken befestigt, wo denn sonst? Auch bei MeiTais, eben allem, was nicht Tuch ist. Oder verstehe ich da was falsch. Ich finde es zwar schade, daß z.B. hiet in Leipzig fast niemand mehr mit Tragetuch trägt, ABER, doch lieber die "verteufelte" Manduca als ein schlecht gebundenes Tuch, was man wirklich häufig sieht und was mit Sicherheit ungesünder ist. Ich find die Manduca toll, gerade, wenn die Kinder dann langsam schwerer werden verteilt sich das Gewicht doch anders als mit dem Tuch. Danke!

  • #6

    K.Böcker (Mittwoch, 15 Juli 2015 06:52)

    Viele Tragehilfen bieten die Möglichkeit, die Schultergurte (auch) am Hüftgurt zu befestigen. Andere wiederum, wie die erwähnten Mei Tais haben Schultergurte zum Binden, die unterm Popo des Babys gekreuzt werden.

  • #7

    Janine (Sonntag, 24 Juli 2016 14:23)

    Eine neue Alternative, um seine Manduca zu verschönern ist das ZippyBag! Ich habe es während meiner Elternzeit erfunden, weil ich keine Lust mehr hatte, ständig alles in extra Taschen zu packen. Das ZippyBag ist eine kleine Tasche zum Einzippen in die Stegerweiterung der Manduca oder kann am Bauchgürtel getragen werden.